Leise, leise: Montserrat Caballé feiert „50
Jahre in Deutschland“
Das Haar schwarz wie Ebenholz, das Bühnenkleid glitzernd wie die gestirnte
Nacht – so betritt Montserrat Caballé das Podium, gestützt auf ihren treuen
Begleiter und sensiblen Pianisten Manuel Burgueras. Ihr Gang ist schwer: Das
Knie sei es, geplagt von wetterbedingt umständlicher Anreise. Das schildert
sie, nachdem sie am Ende des Programms die Schuhe ausgezogen hat.
Verständnisinniger Beifall der Fans. Erleichterten Fußes macht sie sich an die
Zugaben, ohne die Bühne zwischenzeitlich zu verlassen. Das Gehen fällt ihr
heute am schwersten.
76 Jahre und ein bisschen leise: Dieses Singen wird von großer Vergangenheit
getragen, die ihren Höhepunkt vor 40 Jahren fand; Belcanto-Queen, die Norma,
aber auch „Figaro“-Gräfin und Isolde. Die Weltkarriere, 1965 mit Lucretia
Borgia an der Met eröffnet, scheint sich der scheinbaren Unsterblichkeit einer
Emilia Marty anzunähern. „50 Jahre in Deutschland“ feiert sie nun in der
Philharmonie, die „ausverkauft“ ist, obwohl die hinteren Blöcke H und K leer
bleiben. Bei einem Gesangsrecital ist es nicht unvernünftig, dem Star den
Rücken frei zu halten.
Was sie singt, sind Preziosen, die als kleine Dinge entzücken, Vivaldi, eine
Bellini-Arie mit inniger Melodie, eine dramatische Szene von Donizetti, ein
Opernstück von Nicolai. Und zum zweiten Teil, wenn die Zarzuelas nahen,
erscheint sie umgekleidet in weinrot Spanischem, so dass sie an ihre einstige
Königin im „Don Carlo“ erinnert. In der vokalen Andeutung zeigt sich die
Meisterin wie in ihrer Musikalität. Sie hat die Erfahrung, wenig stimmliche
Risiken einzugehen, tremoliert daher relativ selten, trotzdem ist die
Intonation nicht nur in den Höhen alles andere als stabil. Die Schlüsse der
Gesänge geraten ins Irgendwo.
Es ist ein Konzert jenseits aller Norm. Aber manchmal blitzt ein Glockenton
auf, ein Pianissimo, eine kleine Phrase, ein Parlando, die sagen: So war einmal
Montserrat Caballé.
30
30.01
2010
Düsseldorf
Tonhalle
Düsseldorf, 30/01/2010
Düsseldorf, 30/01/2010
Montserrat Caballés Schwanengesang am
30.1.2010 in der Tonhalle in Düsseldorf
Die legendäre Operndiva und wohl die meist geliebte Sopranistin
der Welt, gastiert, anlässlich ihres 75. Geburtstages, mit einem Gala-Konzert
in der Tonhalle.
In ihrem Alter sind die meisten Opernstars längst im Ruhestand. Die Sopranistin
Montserrat Caballé denkt an ihrem 75. Geburtstag noch lange nicht ans Aufhören.
„Sie braucht das Singen zum Leben”,
sagt sie, startet mit einer Tournee durch Deutschland und feiert damit ihr
50-jähriges Bühnenjubiläum.
Ihr Leben gleicht einem Märchen. Die in Barcelona geborene Katalanin, stammt
aus bescheidenen Verhältnissen. Sie musste schon früh die Schule verlassen, um
als Näherin zum Familienunterhalt beizutragen.
Danach begann eine außergewöhnliche Karriere.
Nach der Ausbildung am Conservatorio del Liceo in Barcelona und festen
Engagements in den Opernhäusern Basel, Bremen, Mexiko City und Barcelona
schaffte sie 1965 in der New Yorker Carnegie Hall ihren Durchbruch, als sie für
die erkrankte Marilyn Horne einsprang. Ein”neuer Star” war geboren.
In den Folgejahren gastierte sie an nahezu allen bedeutenden Opernhäusern der
Welt, u.a. Mailänder Scala, Hamburger Staatsoper, Londoner Covent Garden, u.a.
Es entwickelte sich eine beispiellose Weltkarriere.
Dem Millionenpublikum aber wurde sie bekannt, als sie 1987 zusammen mit „Queen”
- Legende Freddie Mercury ein Album mit Duetten herausbrachte und 1992 mit ihm
die olympischen Spiele in Barcelona eröffnete.
Ihre Größe lag in erster Linie in ihren stimmlichen Qualitäten begründet, denn
sie war aufgrund einer geradezu perfekten Technik im Besitz einer der schönsten
Stimmen in der Geschichte des Gesangs.
Im ersten Teil dieses Abends sang sie Arien und Lieder von
Vivaldi, Donizetti, Bellini, Rossini und Catalani.
Ein schönes Programm auf das man sich freuen konnte.
Doch die Vorfreude erlitt dann einen Dämpfer.
Einige kritische Anmerkungen seien hier erlaubt. Bewundernswürdig zwar ihre
Musikalität und ihr makelloses technisches Fundament, doch die Stimme wirkte
zunächst noch matt, hatte anfangs Schwierigkeiten, die Höhen technisch in den
Griff zu bekommen, man hatte das Gefühl sie markiere und somit blieb sie
manchen Stücken einiges schuldig.
Das ihre Stimme heute, 50 Jahre nach ihrem Carnegie-Debüt, nicht mehr von
derselben makellosen Schönheit ist, dürfte wohl niemand im ausverkauften Haus
überrascht haben.
Nach der Pause folgten Arien und Lieder von Nicolai,
Leoncavallo, Turina und 4 Zarzuelas von Gimenez, Caballero, Serrano und
Lorente.
Zarzuela ist eine Bezeichnung für eine typisch spanische Gattung
des Musiktheaters, ein Sub - Genre der Operette. Die Musik der Zarzuela lehnt
sich an die Folklore an, die Ende des 19. /Anfang 20. Jahrhunderts in Spanien
sehr populär war und auch heute noch ihre Liebhaber findet.
Großen Respekt verlangt die Leistung von Manuel Burgueras, ein Liedbegleiter,
der an diesem Abend dem verpflichtenden Anspruch ganz wunderbar gerecht wurde
und einen Löwenanteil zum musikalischen Gelingen beitrug.
Er begleitet „La Montse” schon seit 1991.
Abgesehen von einigen kritischen Anmerkungen erlebten wir einen
besonderen Abend mit einer Diva mit charismatischer Persönlichkeit.
Selbstverständlich geizte die Primadonna nicht mit Zugaben.
Montserrat Caballé wurde vom Düsseldorfer Publikum mit donnerndem Applaus und
Standing Ovations gefeiert wie ein „Lebender Mythos” .
18
18.01.2010
Chemnitz
Opernhaus
Chemnitz, Januar 2010-01-22
Chemnitz, 18. Januar 2010
Chemnitz feiert eine Operndiva
Ovationen für die katalanische Sängerin
Montserrat Caballé bei einem Galakonzert
Chemnitz. Montserrat Caballé ist eine der
bedeutendsten Sängerinnen des 20. Jahrhunderts. Sie ist fröhlich, und sie weiß
zu unterhalten. Ein halbes Jahrhundert einzigartige Stimmkultur im
Belcanto-Fach verbindet sich mit ihrem Namen. Opernenthusiasten lagen ihr zu
Füßen wie die Fans von Queen, als sie mit Freddy Mercury 1988
"Barcelona" produzierte. Die großen Italiener Rossini, Donizetti und
Bellini, aber auch Verdi und Puccini wurden in ihren Interpretationen noch
größer. Von dieser Kunst, Musik mit Können und Leidenschaft zu gestalten,
überzeugte sie ihr Publikum am Montagabend im Chemnitzer Opernhaus.
Die Karten waren nur wenige Stunden nach
Bekanntwerden ihres Chemnitzer Konzerts innerhalb einer Tournee anlässlich
ihres 50-jährigen Bühnenjubiläums vergriffen, Chemnitz das einzige Konzert in
Sachsen. Um dem gewaltigen Ansturm gerecht zu werden, saßen Besucher auch auf
der Bühne. Gut so, denn eine so aufregende, emotionale Persönlichkeit gehört in
die Mitte ihres Publikums. Mit Ovationen im Stehen wurde die Sängerin am Ende
verabschiedet, ein berührendes Bekenntnis zueinander.
Dabei war der Auftakt des Konzerts, das
gegenseitige Kennenlernen, durchaus keine Leichtigkeit, kein schneller Triumph,
denn natürlich ist die Caballé nicht dieselbe wie im Zenit ihres Schaffens, die
Stimme nicht mehr von derselben überirdischen Makellosigkeit wie vor 20 oder 30
Jahren. Im 77. Lebensjahr stehend, hat sie behutsam ihr Repertoire auf ihr
heutiges Vermögen abgestimmt. Eine Auswahl an weniger bekannten Werken aus zwei
Jahrhunderten lag auf dem Pult, in der ersten Hälfte überwogend die Italiener
wie Piccini, Vivaldi, Bellini, in der zweiten Hälfte dominierten die Spanier
und die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert.
In "Wenn der Himmel mich teilt"
(Se siel mi divide) von Niccoló Piccini zum Auftakt war dieser nicht einfache
Tribut an die Zeit, kein triumphales "Hier bin ich", sondern die
Zerreißprobe, der sich die Künstlerin stellte. Sicherheit eroberte sie hörbar
Ton für Ton, und es waren warme, edle, funkelnde Töne von Edelstein. Das
Feuerwerk an Temperament, an Liebenswürdigkeit, an Innigkeit war gewonnen in
Charles Gounods "Frühlingslied" (Au printemps) , in Bellinis
"Erinnerung" und "Wenn ich in diesen Marmor ritze". Die
Caballé nimmt ihr Publikum mit in eine prächtige Welt, in der es vor Leidenschaft
glüht. Sie ist eine sinnliche, barocke Erscheinung mit einem mädchenhaften
Charme. Betört anfangs in zartvioletter Robe, im spanischen Teil schließlich -
ganz feurige Katalanierin aus Barcelona - in leidenschaftlichem Schwarz und
Rot. Glutvoll triumphierte sie mit der Musik ihrer Heimat im Volksliedton - den
ausdrucksstarken Zarzuelas von Jerónimo Giménez, dem sehnsüchtigen "Lied
der Taube" von Francisco Asenjo Barbieri. Da war sie am allerbesten - im
Bekenntnis zu Spanien. Ihr Begleiter am Klavier, Manuel Burgueras, achtete
jeden ihrer Impulse, stützte den leidenschaftlichen Star in jeder Regung
ausgezeichnet im Hintergrund.
Augenzwinkernd der Abschied, herrlich
kokett: "Das ist eine ganz kleine Arie. Ganz klein. Ganz kurz. Ganz
wenig." Das macht ihr keiner nach. Nach vier Zugaben und Ovationen war
Schluss.
15
15.01.2010
Bonn
Opernhaus
Bonn, 18
Bonn, 18.01.2010
Montserrat Caballé begeistert Bonner Publikum
Katalanische Sopranistin nimmt ihr Publikum beim Galakonzert mit
auf eine Reise durch die Liedkunst
Ihre Karriere begann, als Maria Callas mit
dem Singen aufhörte. Mitte der 60er Jahre wurde Montserrat Caballé, die jetzt
ein umjubeltes Gala-Konzert in der Bonner Oper gab, als legitime Nachfolgerin
der griechischen Primadonna assoluta aufgebaut.
Der Durchbruch gelang der katalanischen Sopranistin mit ihrem
Debüt in der New Yorker Carenegie Hall, wo sie an einem Abend im Jahre 1965 für
Marilyn Horne als Titelheldin in Donizettis "Lucrezia Borgia"
einsprang. Damals war die Caballé 32 Jahre alt, und die Stimmenfans begannen
von ihrer einzigartigen Pianokultur zu schwärmen.
Ihre Kunst, einen Ton in den höchsten Lagen leise, fast
körperlos ausklingen zu lassen, verschlug den Opern-Enthusiasten schier den
Atem. Sie selbst wollte aus guten Gründen nie den direkten Vergleich mit der
Callas. "Ich bin keine Diva", sagte sie einmal, "wenn ich auf
die Bühne gehe, bin ich einfach nur ?La Montse' und nicht mehr."
Das war jetzt auch in Bonn zu spüren. "La Montse"
wirkt in keinem Augenblick unnahbar, lässt ihren Charme spielen, plaudert und
scherzt mit dem Publikum. Dass ihr Ton heute, 45 Jahre nach ihrem
Carnegie-Debüt, nicht mehr von derselben überirdisch makellosen Schönheit ist,
dürfte wohl niemanden im ausverkauften Haus überrascht haben.
Sie selbst weiß es am besten und hat für ihr Repertoire längst
die Konsequenzen gezogen und es ihren stimmlichen Möglichkeiten angepasst. Den
Bonner Abend begann sie in ein fliederfarbenes Abendkleid gewandet mit Niccoló
Piccinis "Se il ciel mi divide", führte ihn weiter über Arien von
Antonio Vivaldi, Vincenzo Bellini, Charles Gounod und Alfredo Catalani, dessen
"Canzone egizia" den ersten Teil des Gala-Konzerts beschloss.
Ihre Stimme, die zunächst noch hörbar Schwierigkeiten hatte, die
Höhen technisch in den Griff zu bekommen, wurde immer sicherer, der Klang
wärmer und runder, vor allem in Gounods "Ni l'or ni la grandeur" aus
"Au printemps" gefiel der vokale Klang.
Caballé, die über ein immenses Repertoire verfügt, nahm ihre
Zuhörer mit auf eine Reise durch mehr als 200 Jahre Opern- und
Gesangsgeschichte, wobei der älteste Komponist der 1675 geborene
Barockkomponist Antonio Vivaldi war, der jüngste der 1882 in Sevilla geborene
Joaquín Turina. Überhaupt hatten die Spanier in der zweiten Programmhälfte das
Sagen.
Nach drei Gesängen von Ruggiero Leoncavallo, darunter die
hübsche "Chanson des jeux", konzentrierte sie sich ganz auf ihre
Heimat. Vor allem die Stücke der Zarzuela-Komponisten Jeronimo Giminéz und
Francisco Asenjo Barbieri gefielen ungemein durch die unverkrampfte Natürlichkeit,
mit der die Caballé diese Kompositionen zum Besten gab.
Vor allem Barbieris "Canción de paloma", das sie auch
gern mal als Zugabe singt, machte auf unterhaltsame Weise deutlich, dass
"La Montse" ganz besonders auch die heitere, dem Leben zugewandte Seite
der Musik liebt.
Ihr langjähriger Klavierpartner Manuel Burgueras machte seine
Sache am Steinway ausgezeichnet, spielte ausdrucksvoll, mit schönem Anschlag,
immer auf die Stimme der Caballé achtend, wobei er sich in der Begleitung des
Belcanto-Fachs genauso heimisch fühlt wie bei den spanischen Zarzuelas. Im
Zugabenteil blieb das Duo Spanien übigens treu - wenn auch mit der Arie eines
französischen Komponisten: Montserrat Caballé sang mit durchaus sinnlichem
Timbre die Habanera aus George Bizets "Carmen".
Wie sie anschließend dem begeisterten Publikum augenzwinkernd
ihre zweite Zugabe ankündigte, war ganz typisch Montserrat Caballé: "Das
ist eine ganz kleine Arie aus einer Zarzuela", sagte sie: "Ganz
klein. Ganz kurz. Ganz wenig." Das Publikum verabschiedete die große
Sängerin stehend mit Ovationen.
19/01/2010
19/01/2010
Montserrat Caballé gastiert zu einem Gala-Abend in der
Oper Bonn
Sie ist „La Superba“, wie ihre Landsleute
sie nennen, die „Grande Dame“ des Belcanto. Eine legendäre Operndiva,
ausgestattet mit einer der schönsten und vielseitigsten Sopran-Stimmen, die in
der Klassik-Welt zu finden sind. Und eben dieser Weltstar gastierte am
Freitagabend, 15.Januar, zu einer Galaveranstaltung in der Oper Bonn:
Montserrat Caballé!
Sie ist bekannt, beliebt und verehrt. Mit fast 4000 Auftritten ist Montserrat
Caballé eine der aktivsten Sängerinnen der Operngeschichte. Ihr Repertoire umfasst
mehr als 90 Opernrollen und Hunderte von Liedern, Opernpartien und Kunstliedern
aus sämtlichen Ländern und Epochen ebenso wie auch Barock- oder sogar populäre
Musik. In einer knapp zweistündigen Gala präsentierte die Künstlerin nun in der
Oper Bonn einen kleinen Auszug aus ihrem Opernrepertoire.
Es umfasste alle großen italienischen und spanischen Komponisten, von Piccini
und Vivaldi über Bellini, Catalani und Leoncavallo bis hin zu Turina, Giménez
und Berbieri. Gounod als Vertreter der französischen Komponisten-Riege machte
schließlich die Runde durch die romanischsprachigen Opern-Arien perfekt.
Vom Rad der Zeit war nichts zu spüren
Vorgetragen wurde sie, wie man es von der Katalanin gewohnt ist, in tadelloser
Form: stimmlich wie technisch einwandfrei. Scheinbar mühelos gelingen ihr die
höchst diffizilen Messa die Voci ebenso wie die signifikanten Koloraturen, bei
denen sie den Umfang ihrer Stimme ganz im typischen Belcanto-Stil bis zur
Grenze des Möglichen ausreizte.
Man bedenke: „La Superba“ wird dieses Jahr 77! Andere Opernsänger befinden sich
in diesem Alter längst im wohlverdienten Ruhestand, Montserrat Caballé jedoch
steht anmutig wie eh und je auf der Bühne und frönt mit absoluter Virtuosität ihrer
Leidenschaft.
Natürlich ist die Zeit auch an ihr nicht spurlos vorbeigegangen. Sie betritt
die Bühne nicht mehr so anmutig wie 1965, als mit der Rolle der „Lucrezia
Borgia“ in der New Yorker Carnegie Hall ihre einzigartige Weltkarriere begann,
sondern stets gestützt durch ihren langjährigen Pianisten Manuel Burgueras.
Doch ihre Ausstrahlungskraft hat nichts eingebüßt, sie erhellt noch immer den
ganzen Raum. Sie wirkt älter, aber lebendig und nach wie vor einnehmend.
Die Stimme weiß Caballé noch immer makellos zu beherrschen: kraftvoll und
voluminös ertönte sie auch an diesem Abend wieder. Gefühlvoll trug sie
ergreifende Melodien vor, je länger die Stücke dauerten, desto mehr schien sie
sich in die Emotionen hineinzusteigern. Die Crescendi vollzogen sich
durchgängig harmonisch und mündeten wie eh und je in höchsten Tonlagen von
einzigartiger Virtuosität.
In gleicher Vollendung erlebte das Publikum die von mediterranem Flair
geprägten spanischen Werke, mit scheinbar spielerischer Einfachheit überwand Caballé
die teils heiklen Koloraturen. Und fand die Arie schließlich seinen
Schlussakkord, erklang es wie ein „Olé“ und die Künstlerin freute sich selbst
ob der gelungenen Interpretation.
Ein lebender Mythos
Das Publikum bedankte sich mit stehenden Ovationen, drei Zugaben mussten
gegeben werden. Darunter mit „Habanera: L'amour est un oiseau“ ein Klassiker
aus Bizets „Carmen“ sowie ein Stück aus Madrid, welches „eigentlich getanzt
wird“, wie die Sängerin mitteilte, jedoch im gleichen Atemzug schmunzelnd hinzufügte,
dass sie selbst nun eher nicht tanzen werden. Man vergab ihr gerne ob des
charmanten Lächelns.
Es ist genau dieser Charme, der neben ihrer einzigartigen Stimme das Publikum
gefangen nimmt und dem man sich nur schwerlich entziehen kann. Sie erscheint
herzlich, gütig und ausgeglichen, kurz: menschlich. Es bringt sie nicht aus der
Ruhe, wenn der Pianist, wie an diesem Abend, mitten im Programm die falschen
Noten dabei hat und sie kurzerhand ihre hergibt. Da ist keine Spur von „La
Diva“. „Wenn ich auf die Bühne gehe, bin ich einfach nur 'La Montse' und nicht
mehr“ sagte sie einst selbst.
„Ich brauche das Singen zum Leben“, betont Montserrat Caballé gern. Nach diesem
Abend vermag man wahrlich nicht an dieser Aussage zu zweifeln. Sie ist nicht
einfach nur ein Teil der Oper, sie lebt sie.
„Sie dürfen Teil eines Mythos sein“ rief Klaus Weise, Generalintendant des
Theater Bonn, dem Publikum während des Applauses zu. Er hat nur zu recht.